Presseartikel - Schwäbische Post 24.03.2007

MASCHINENFABRIK ALFING KESSLER /
75 Millionen-Investition in den Ausbau der Großkurbelwellen-Fertigung schafft 200 neue Arbeitsplätze in Aalen-Wasseralfingen 

Alfing startet auf Weg zur
Marktdominanz durch


Die Entscheidung fiel auf der Gesellschafterversammlung am vergangenen Montag, gestern wurde die Belegschaft informiert: Die Maschinenfabrik Alfing Kessler (MAFA) baut bis Mitte 2008 zwei Großhallen mit zusammen über 18 000 Quadratmetern Nutzfläche. Für die Traditionsfirma, die Weltmarktführer bei Großkurbelwellen ist, stellt diese 75-Millionen-Investition die größte in der 96-jährigen Firmengeschichte dar.

AALEN-WASSERALFINGEN  Der Vorsitzende der Geschäftsführung von Alfing Kessler, Alexander Leon, betonte, mit dieser Entscheidung für den Ausbau des Standortes Aalen-Wasseralfingen eröffneten sich für die gesamte Region große Chancen. "Ich bin jetzt zuversichtlich, dass wir mit der kompletten Erweiterung der Wertschöpfungskette im Bereich der Großkurbelwellen die Weltmarktposition des Unternehmens stärken werden", sagte Leon. Mit dieser erneuten Investition haben die Gesellschafter des Unternehmens - namentlich die vier Familienstämme Dengler, Fischer, Grimminger und Kinzler sowie die Stadt Aalen, die über die Stiftung Schloss Fachsenfeld beteiligt ist - ein weiteres Bekenntnis zum hiesigen Produktionsstandort abgelegt.

Alfing musste im September 2006 schnell handeln. Da durch die vertragliche Bindung die Produktion von Großkurbelwellen (1500 bis 8000 Millimeter) ab 2009 enorm hochgefahren werden muss, fuhr die Firmenleitung zunächst zweigleisig in ihrer Planung: Neben Wasseralfingen wurde Magdeburg als möglicher Produktionsstandort ins Auge gefasst. "Die Management-Kapazität, die Möglichkeit eines Personaltauschs aus anderen Fertigungsbereichen und die schnelle planerische Umsetzung haben die Vorteile Magdeburgs wie geringere Kosten, einfachere Rekrutierung von Fachpersonal sowie Investitionszuschüsse in Höhe von 30 Prozent wettgemacht", sagte Leon.

Nicht zuletzt war der hohe Einsatz des Betriebsrates und der IG Metall, die auch durch den Ersten Bevollmächtigten Roland Hamm vertreten war, für die Entscheidung pro Standort Wasseralfingen von großer Bedeutung. In einem Ergänzungstarifvertrag und in einer Rahmenbetriebsvereinbarung konnten unter Mithilfe des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall Kostensenkungen realisiert werden. Zusätzlich sollen in Wasseralfingen rund 200 Arbeitsplätze geschaffen werden. "Entsprechende Mitarbeiter müssen eingestellt und qualifiziert werden, was mit Sicherheit eine Herausforderung sein wird", sagte MAFA-Geschäftsführer Eberhard Funk.

Die beiden neuen Gebäude werden bei der MAFA ein neues Zeitalter einläuten. Die eingeschossige Produktionshalle misst 150 auf 75 Meter. In ihr werden ab der zweiten Jahreshälfte 2008 rund 150 Mitarbeiter ihre Maschinen bedienen. Die Pressenschmiede, die in den Wald der Gemarkung "Appenwang" ragen wird, besitzt eine Abmessung von 115 auf 50 Meter. In ihr finden rund 50 Facharbeiter Platz. Beide Gebäude werden nur teilweise unterkellert sein. Die Investitionskosten betragen für Bau und Ausstattung 75 Millionen Euro. Insgesamt soll am Standort Wasseralfingen jedoch bis 2015 noch weitaus mehr investiert werden. "250 Millionen Euro sind geplant", sagte MAFA-Betriebsratsvorsitzender Karl-Heinz Grein. Die Finanzierung zum Ausbau der Großkurbelwellenfertigung stehe bereits. "Unsere Gesellschafter haben eine Kapitalerhöhung ausschließlich aus ihren Reihen zugestimmt", sagte Funk.

Die MAFA ist der weltweit größte unabhängige Hersteller von Kurbelwellen mit den Geschäftsbereichen Automotive, Großkurbelwellen und Induktionshärteanlagen. Bereits in den letzten drei Jahren hat die MAFA erhebliche Investitionen am Standort Wasseralfingen getätigt. Dabei sind rund 200 neue Mitarbeiter bereits eingestellt worden. "Mit der neuen Investition sichert sich das Unternehmen die Marktführerschaft. Wir wollen unseren Marktanteil auf über 40 Prozent ausbauen und streben einen künftigen Jahresumsatz von über 250 Millionen Euro an, was einer Umsatzverdopplung gegenüber 2004 entspricht", sagte Alexander Leon. 2006 hatte dieser noch 175 Millionen Euro betragen und steigt in diesem Jahr auf wahrscheinlich 200 Millionen Euro an. Die jetzt genehmigte Erweiterungsinvestition ist also Folge von Marktwachstum und eigenen Akquisitionsbemühungen der MAFA. Sie wird durch langfristige Lieferverträge mit wichtigen Kunden weitgehend abgesichert.

Der Betriebsrat habe der nun gefundenen Lösung einstimmig zugestimmt. "Das ist der bedeutendste Moment der Firmengeschichte", schwelgte Karl-Heinz Grein in Superlativen. Das "Damoklesschwert Standort Ost" sei über den Verhandlungen geschwebt. Dennoch ist Grein mit der gefundenen Lösung ohne Einschränkung zufrieden. Die Erfolgsbeteiligung der Arbeitnehmer führt zu einer Win-Win-Situation", sagte er. Im Gegenzug zur Flexibilisierung der Arbeitszeit und einen über zusätzliche Arbeit finanzierten Altersvorsorge-Baustein gab die Geschäftsleitung eine Beschäftigungssicherung ab und sagte eine bedarfsgerechte Erhöhung der Ausbildungsplätze zu.

Die nun geplante Überbauung lässt bewusst strategische Freiflächen zwischen den beiden neuen Gebäuden frei. "Entsteht zusätzlicher Bedarf, kann dort erweitert werden. Unsere Vision sieht dabei einen optimalen Produktionsfluss vor", sagte Funk. Die Parkplatzfrage werde dezentral gelöst: vier Standorte rings um das Werk sollen ausgewiesen werden.
Sascha Kurz




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